Spielemesse Hausverbot für einen Ludumholiker!


Ich hab zwar kein Hausverbot bekommen, so wie ein mir persönlich und nun recht bekannter Brettspielgräber, aber ich erteile es mir nun selbst. Nicht solidarisch sondern aus der Not heraus!

Heute Abend vor einem Jahr hatten Achim und ich unseren Brettspielen.Köln Messestand aufgebaut. Der entstand aus einer völligen Schnappsidee. "Lasst und doch einen Stand mieten auf der Messe, dann können wir dort unsere Tüten abstellen!", sagte glaub ich dasHü. Irgendwer stimmte dem zu.

Völliger Nonsens entgegnete ich, die Tüten kann man an der Garderobe abgeben für nur einen Euro, so machte ich das bereits seit Jahren. Noch jemand fand die Idee immer noch witzig. Ich rechnete das kurz durch und stellte die Frage in den Raum, warum wir ein paar tausend Euro ausgeben sollten, nur um Tüten abzustellen? Ich setzte mich argumentativ durch, aber die Idee, dass wir nach all unseren bisherigen Aktionen einen eigenen Messestand auf der Spiel haben sollten hatte was.

Achim meldete sich dann am anderen Tag, wir würden den Messestand kostenfrei bekommen!

Echt jetzt?
Da standen wir nun, er meinte das ernst!

Die Messe sponsorte Wikipedia einen Stand und die stellten den uns quasi für das Kooperationsprojekt mit Brettspielen.Köln und "Wikipedia spielt" zur Verfügung und zahlten auch noch das ganze Zubehör und mehrere Hotelzimmer für uns alle!


Das war bis dahin nur ein sehr lockeres Ding, den wir nutzen das Wikilokal.K einmal in der Woche als SpielCafe, was mal genauso eine Schnappsidee war. Davor bin ich mit meinem immer größer werdenden Grüppchen durch alle möglichen Lokale und Kneipen getingelt, nur dieses mal bekamen wir zwischen Weihnachten und Karneval keinen Raum. Niemand bekommt da in Köln einen Raum, alles ist über Monate vorab ausgebucht.

Also machte ich es passend und wir feierten unseren Geburtstag mit 60 Leuten, halt verteilt auf das ganze Wochenende mit nur je 20 Spielern auf einmal. Weil es so geilo war, wuchs daraus die spontane Idee, dies doch als Test mal für 4 Wochen wöchentlich anzubieten. Ich war pessimistisch, dachte da kommen dann beim zweiten mal nur noch 10 Leute, und beim dritten mal sitze ich mit immer den selben 3-4 verlorenen Seelen dort.

Es kam anders...

Wir sind nun seit 1.5 Jahren ohne eine Pause regelmäßig ausgebucht und ständig überfüllt. Hatten wir Sonntags erst die Bude so voll, dass wir sogar draußen auf dem Bürgersteig spielen mussten, ist es zwei Tage später Dienstags immer noch ebenso brechend voll und alle Tische werden bespielt und jeder Stuhl ist besetzt. Es ist mit doppelt so vielen Leuten wie eins geplant zu eng, viel zu laut, wir spielen auf improvisierten Tischen, sogar drei Tapezierklapptischen und könnten wohl gut ne Lokation füllen die weit größer ist.

Einen größeren Raum für meine Spiele bräuchte ich dringend. In meiner Bude stapeln sich über 1.300 Spiele. Ich schreibe über, weil ich bei 1.300 aufgehört habe zu zählen und sie zu dokumentieren. Ich musste so ab ca. 500 Spielen anfangen sie bei BGG einzupflegen, weil ich ab da, öfter auch ein Spiel unbeabsichtigt 4-5 mal kaufte und mir nicht mehr merken könnte, was ich unbedingt haben wollte, aber es doch schon gekauft hatte.


Als nun Nichtraucher, und als strenger Blumenfresser, sind mir solche radikalen Schritte nicht unbekannt. Aber bei den Brettspielen fällt es mir diesmal besonders schwer. Irgendwie möchte ich mir das spielen und das Zusammensein mit einigen hunderten Menschen in meiner Küche und im SpielCafe nicht als Sucht einreden.

Aber, ich habe alle Wände im Wohnzimmer voll mit Spielen bis unter die Decke, und dann auch im Flur. Es stapelte sich dann auf dem Boden und ich wurde zum Bordgamehorder, nah dran am Spielemessi. Ich räumte auf und fand immer neue Ritzen wo noch Spiele reinpassten. Die Garderobe über der Haustüre musste weichen, dort ist nun über dem Türrahmen auch noch ein Regalbrett, mit meinen ganzen 2 Spieler Spielen.

Als ein Fernsehteam kam, hab ich nochmal den Boden aufgeräumt, damit 4 Leute mit Kamera, Ton usw überhaupt Platz finden. Also die Spiele so umsortiert, dass die Spiele von Ravensburger aus den 80/90ern nun den kompletten Platz über meinen Küchenschränken einnehmen.

Mein Nachbar hatte mal einen Wasserschaden, und der Vermieter klingelte bei mir, um zu fragen, ob es bei mir auch von der Decke tropfen würde. Ich schaute nach, waren meine ganz besonderen Schätze, meine Bigboxen von Starwars, Runewars, den 30K Bruderkrieg und World of WarCraft doch genau dort, bis spack an die Decke gestapelt hatte. Zum Glück war nichts.

Aber die 15cm weiter nebenan beim Nachbarn sah es aus die in einer Tropfsteinhöhle und es musste dort kernsaniert werden. Oben auf dem Dach war auch über meinem Wohnzimmer und Flur eine riesige Wasserlache. Also meine Perlen sofort von der Decke und ab ins Schlafzimmer auf die Kleiderschränke. Die Spielsachen von meinem Sohn landeten erst mal im Keller.

Damit waren nun alle Räume außer dem Bad voll mit Spieleschachteln. Menschen die zu mir spielen kamen machten eh immer das selbe Geräusch... "Wow" und bekamen den Mund nicht mehr zu.

Im Bad hatte ich dann auch ein paar Wochen lang ein Regal stehen, irgendwohin muss ja der Kram, der den Spielen weichen musste. Das Bad ist nun wieder freigeräumt. Dafür stehen ein 18. und 19. Regal nun auch  im Schlafzimmer bis zur Decke, der letzten freien Wand.

Als das TV Team da war, baten die mich einige Folien von den Spielen zu entfernen, weil die die Beleuchtung reflektierten. Sprich von ungespielten Spielen.

Als ich zuletzt zählte lag ich bei ca. 250 ungespielten Spielen.
So etwas nennt man Pile of Shame und meint eine Konsumkritik, nämlich dass man alles besitzen muss, aber dann doch nicht benutzt. Andere nennen ihn liebevoll Mountain of Joy, oder Shelf of Opportunitiy. Fast jeder von euch hat solch einen Stapel, meiner ist halt etwas größer.

Die Hälfte meiner Spiele habe ich selbst gekauft, zuerst viel bei den Verlagen zum Verkaufspreis was schnell teuer wurde. Meine BGG Liste zeigte mal per Script, dass ich hier den Wert eines neuen Kleinwagen in Pappe an meinen Wanden stapele. Dann kaufte ich bei Ebay, und habe allein der Post ein paar tausend Euro nur an Porto generiert. Als mein Bekanntenkreis dann immer mehr nur noch durch Spieler und Rinnen ausgetauscht wurde, kaufte ich auch denen Spiele ab, denn auch die benötigten ja mehr Platz für neue Spiele.

Besonders zwei meiner Bekannten haben einen Spieledurchsatz wie ein Drogensüchtiger. Fast alles was ich von denen gebraucht kaufe ist noch verschweißt und unbespielt. Die spielen wohl grundsätzlich alles nur einmalm bzw keinmal. So will ich nicht sein!


Das Hobby brettspielen ist längst gewandelt zu nur noch immer neue Spiele spielen, kaum ein Spiel außer meinen paar Lieblingsspielen schafft es ein zweites oder gar ein drittes mal auf den Tisch. Das beobachte ich bei fast allen Mitgliedern meiner heftig großen Spielerrunde. Wir nehmen mittlerweile als SpielCafe teil an Hofflohmärkten, veranstalten Versteigerungen im Kölner Stadtmueeum und begleiteten dort eine Brettspielausstellung, machen das größte Brettspielpicknick, und immer tauschen und verkaufen wir uns neue Spiele.

Gute und teure Spiele gehen oft für 1-2 Euro weg und das ist für uns kein Problem, denn der Lagerplatz den die Schachteln bei uns belegen ist uns um einiges mehr wert. Ich spende Spiele an Kitas und an Schulen und wenn ein Besucher ein Spiel bei mir entdeckt welches ihn gefällt, verschenke ich es gern mal spontan, nur damit ich wieder eines aus meinem Kofferraum und meiner Garage in meine Bude bekomme. Ja, mein Kombi ist immer voll, und zuletzt kam ich an mein Motorrad wegen der Spiele nicht mehr ran.

Meine Partnerin spielt auch, hat auch ein eigenes größeres volles Regal. Überhaupt habe ich meine letzten sieben Partnerinnen bei mir in der Küche an meinem Spieltisch kennengelernt. Klingt seltsam, ergibt sich aber, denn es ist sehr intim wenn man jemand zu sich nach Hause einlädt, und beim spielen erkennt man sehr gut, was für Charaktere am Tisch sitzen. Außerdem bleiben die oft Mädsl lang und kommen oft wieder.

Ich bin da auch nicht allein. Zeitweise dachte ich, ich hätte unbewusst eine Singlebörse aufgemacht. Ständig bildeten sich neue Päärchen, trennten sich wieder, und ich musste auch darauf achten wen ich nicht mehr gemeinsam einladen sollte. Ab irgendwann wurde ich zu Hochzeiten eingeladen, die Spieler bekamen Kinder. Da sagt nochmal jemand Brettspieler seien soziophobe Nerds!

Ab irgendwann wurde es eng.

Ich realisierte, dies kann ich kein weiteres Jahr so weiter machen. Ich musste langsamer kaufen und versuchte mich selbst zu reglementieren. Das funktionierte ganz gut, kaufte ich halt nur noch das, was ich mal gespielt habe, nicht mehr einfach alles, wo die Rezension gut ist. Aber auch dann wurde es immer enger. Ich kaufte immer noch schneller ein als ich abspielen konnte, und ohne das ich etwas mindestens mal gespielt habe, möchte ich es nicht abgeben.

Nun also der radikale Schnitt!

Ich lasse nun diesmal zum ersten mal seit 5 Jahren die Messe aus, denn ich würde es nicht schaffen, nicht schon wieder vier blaue Ikeatüten voll mit Spielen dort rauszuschleppen, wie jedes Jahr. Ich bin erst seit 5 Jahren mit brettspielen dabei. Ich habe keine Ahnung wie die nächsten 5 Jahre werden sollen.

Zum einen kaufe ich kaum noch etwas, da meine Mitspieler ja eh alles in unser vor 1,5 Jahren gegründetes wöchentliches offenes SpielCafe mitbringen. Sogar meine Lieblingsspiele habe ich ca. 50 mal gespielt, meine eigenen Schachteln sind immer noch in Folie.

Zu oft habe ich versucht eine Pile of Shame Challenge zu veranstalten, aber die Leute um mich meiden das Thema wie Mundgeruch und Schweißfüße, haben sie das Problem der Einsicht insgeheim doch längst auch bei sich erkannt.




So wie den Spielemarathon den ich vor nun 4 Jahren mal alleine veranstaltete und 46 Tage am Stück durchhielt, mache ich dieses Jahr eine Pile of Shame Diät. Ich kaufe solange kaum noch etwas, bis mein Stapel ungespielter Spiele abgespielt ist. Ein Jahr wird die Messe in Essen, auch ohne mich überleben. Auch die Ratinger Spieletage habe ich bereits ausgelassen.
Ich werde Spiele nur noch austauschen, aber es darf keines mehr dazu kommen.

Zwei Ausnahmen gibts es, mein Youtube und Adminkumpel Stef bringt mir zwei Erweiterungen zu Scythe und Adrenalin mit. Die müssen einfach sein... bis dahin finde ich schon zwei Schachteln die ich verschenken kann.

Durch eine verkettete Widrigkeit stehen wir als Brettspielen.Köln auch 2018 mit auf dem Hallenplan. 
Letztes Jahr hatte die Messe uns fälschlicherweise nicht aufgeführt und noch den uns unbekanntenStand von von 2016 abgedruckt. Diesmal stehen wir drin obwohl wir nicht da sind, da hat die Messe aber diesmal keinen Fehler gemacht. Wir hatten uns überlegt einen Sammelstand zu machen, oder an einem mitzumachen, aber nach einer Anmeldung kam da kein Feedback, also hatten wir es verworfen. Nun stehen wir doch drin, also wundert euch nicht. Ihr werde aber Spieler von uns in unserem Shirt auf der Messe rumlaufen sehen. :-)

Ok, so ganz werde ich den Brettspielerei nicht entkommen. Ich habe eine Idee zu einer neuen suuupergenialen Lokation eines extraordinären SpielCafes und diesmal hab ich auch den Kniff raus wie das trotz hoher Ladenmieten und laaange sitzenden Spielern finanzierbar ist.  ;-)

Achja, zum 100. SpielCafe nach der Messe hab ich seit einem Jahr etwas zusammen mit Stefan, Achim und dasHü vorbereitet. Und wir haben in 2019 noch etwas geiles vor, dass Köln unbedingt braucht!

Edit: Ich habe auf allen Kanälen Feedback bekommen.
http://www.brettspielen.koeln/2018/10/ludumholiker-hat-feedback-bekommen-teil2.html