Antwort von Michael Tabel, (Stefs Beitrag ist unten)

Zuallererst mal... Stefs "Mimimi" hat mit einigen hunderten Views mehr Views als alle bisherigen 45 Artikel zusammen. Und das ohne Bilder, ohne Videos, nahezu ohne On-Topic Content. "Drama" scheint die Generation Privatfernsehen mehr zu interessieren als alles was wir brettspielthematisch auf den Kopf stellen.

Dazu passen auch die durchnittlichen Ansehzeiten unserer Youtube Videos.

Rezensionen und Brettspielvorstellungen werden im Schnitt kaum länger als 100 Sekunden angesehen. Die Top Ten unserer am meisten angeklickten und am längsten angesehen Videos sind die wo es kaum um Brettspiele geht. Es sind die wie ich ein ehemaliges Nonnenstift von innen filme, wo ich vier Hände voll schreiender Kleinkinder filme, oder zwei fette Kerle mit Strickbärten und nen Dampfplauderer mit Strohzylinder filme.

Stefs Mimini Post lockte 100 mal mehr Leser nur mir der Überschrift an, evtl. liegts daran, das ich die Kölner Brettspielgruppe ganz bewusst stark personalisiert habe.

Exakt das ist auf der Messe an unseren eigenen Messestand von einem Hamburger, den ich vorher noch nie gesehen habe an mich völlig begeistert herangetragen worden.

"Das ist der Wahnsinn!
"Nun sehe ich euch alle mal in echt!
"Das fühlt sich so an, als würde ich euch alle bereits seit Jahren kennen, da ist der Achim, da der  Stefan, da hinten steht "DasHü"!
"Das liegt daran, Michael, weil du einen ganz besonderen Schreibstil hast, es geht bei Dir nicht nur um Brettspiele, sondern ums brettspieleN, und um die Mitspieler. Nicht nur um Spielmechaniken und Spielmaterial, sondern wie du und deine Mitspieler sich bei einem Spiel fühlen."

Klar wusste ich das, aber das es zumindest EINER mal nicht nur wahrgenommen, sondern auch ausgesprochen hat, hat mich gefreut.

Ich sehe ja auch andere Brettspielgruppen und Treffen, die nicht gerade durchgängig das ganze Jahr immer ausgebucht sind, die außer posten kaum mal gemeinschaftliche Aktionen auf die Reihe bekommen. Ich bin mir der besonderen Unterschiede der Mitglieder der BrettspieleN.Köln und wie man eine solches Miteinander führt bewusst.

Es ist nicht immer alles schön, bei homophoben und rechtspopulistischen Gesinnungen, bei Betrug, Diebstahl und Verleumdung  reagiere ich deutlich und berechenbar, so jemand hat in unserer Runde nichts zu suchen. Es ist wie die 4.000 Bewerber die schon vor meinem Tisch saßen, neue Mitspieler müssen auch charakterlich zu unserer Runde passen.

Wir sind ein großes Team, sehen uns mehrfach die Woche, spielen nicht nur immer wieder zusammen, kaufen gemeinsam ein, transportieren uns gegenseitig den Kram, unternehmen auch Abseits des Brettspielens eine Menge, es bilden sich Freundschaften.

Freundschaften!

Wie habe ich meine Moderatoren/Mitadmins ausgesucht?

Ganz einfach, man muss sich gegenseitig vertrauen können, erst recht wenn man(n) mal nicht einer Meinung ist, evtl. auch mal persönlich betroffen ist, und in schwierigen Situationen untereinander immer einen respektvollen Konsens finden können. Das wurde mit Achim, Stef, Heiko, und mit "DasHü" hervorragend geprüft und hat immer gepasst. Deswegen wurde es zuallererst Heiko, dann Stefan, DasHü und sogar der stets mit eigener Agenda-Achim.

Aber mit Stef ist es anders.
Wir laufen beim 100 Meter Lauf zwar in der gleichen Liga, sind uns aber doch sehr ähnlich, müssen uns nicht mal zusammenraufen, macht euch klar, das hier ein überzeugter CSU Stammwähler und ein linksgrünversiffter Gutmensch oft mehrfach die Woche über Stunden friedlich zusammenhocken und grundsätzlich über alle Themen des Lebens anderer Meinung sein können.

Auch über ein Brettspiel!

Und darum gings es Stefan nicht nur.
Der ganze Abend war aus unserer Sicht der anderen Spieler völlig harmlos. Wir haben nicht mal bemerkt, warum Stef sich entschuldigen hätte müssen.

Wir haben drei Spiele an einem Abend gespielt, der Tag war lang, die Regelerklärungen durch das dauerhafte Zwischenbombardement an Fragen anstrengend aber der Abend war gefühlt für alle lustig, und durchaus ok. Auf meiner persönlichen "schlimmster Spieleabend" liegt er auf Platz 17.367.

Aber ich kann erklären was da sonst noch zusammen kam.

Wir waren zu viert verabredet, klassisches Lineup, Päärchenabend, Stef ich und unsere bessere Viertel.

Per Whatsapp bimmelt aber seit Wochen das einsame Gewimmer von Tommes auf meinem Smartphone. Ich hab schon den Klingelton abgestellt, damit es kein Dauerton ist.

Und wieder die Nachricht, in der er sich selbst irgendwo einladen möchte, ansonsten sich sofort vernachlässigt in seine Couchritze stürzen würde, wenn er nicht sofort irgendwo mitspielen könne.
Also ludt ich ihn ein, aber er brauchte noch 20 Minuten länger als geplant.

Ich steh vor meinen 16 Meter Spielregal, und suche etwas das man in 20 Minuten spielen kann, bis Tommes endlich kommt. Ahh... Vienna, richtig coole Idee, super einfaches Spiel, vor allem ist es nahezu identisch von der Spielmechanik zu dem Spiel, was wir gleich spielen wollen, taugt also prima als Vorbereitung.

Bei Vienna und auch bei Euphoria, hat jeder 4 Würfel, würfelt diese und kann 1 bis 2 Würfel davon aufs Brett ablegen und damit Aktionen auslösen. Vienna ist eine "Doppellight" Version von Euphoria, wenn man ein Auge für Spielmechaniken hat.

Stef sagte nicht, dass er das Spiel bereits kannte, oder das er es Scheiße findet, er sagte "Ich bin raus, ich sortiere noch das Spielmaterial von Euphoria und muss noch aufbauen.". So unterschiedlich können Wahrnehmungen sein obwohl man nebeneinander hockt.

Zu Beginn fragte ich noch, "Will jemand Kaffee?" Alle verneinten, also verzichtete ich auf meinen eigenen Kaffeewunsch, Tee wollte auch keiner, also Wasser.

Irgendwann kam Tommes dann, und er hatte sich wohl beeilt, weil auf seiner Glatze waren Schweißtropfen so groß wie Murmeln. Erst mal ne Serviette genommen und ihm ungefragt die Glatze trocken gerubbelt. Unter lautem Gelächter der anderen selbstverständlich. Ich hab noch ne Femtosekunde gedacht, ob dem Tommes das so recht war, aber ich werd nen Teufel tun und jede Mimose in Wattebällchen betten.

Also begann Esther wie immer sehr gut die Regeln zu erklären. Esther und Heiko sind mit weiten Abstand die besten Spieleerklärerinnen die ich kenne.

Aber Esther stockte, weil Tommes mit seinem üblichen 100 Fragen startete, noch bevor sie einen dritten Satz zu Ende sagen konnte. Kenn ich... dann springt Stef ein und übernimmt, tat er auch diesmal. Und die beiden wechseln sich dann harmonisch ab, es funktioniert wie ein einstudiertes Duett.

Wir konnten spielen. taten wir auch. Alles klappte, keine besonderen Vorkommnisse außer den üblichche zahlreichen Veralberungen, das gegenseitige Hops nehmen, die scherzhaften ironischen Unterstellungen.  Ich hatte gerade in meinem allerletzten Spielzug den Sieg bereits auf der Hand, da bekommt Stef ausgerechnet durch mich einen Siegpunkt geschenkt und beendet genau vor mir das Spiel. Geil!

Irgendwo dazwischen fragte Stef doch nach nem Kaffee, ich kochte zuerst das Wasser mit dem Wasserkocher und kochte flugs meine 17.367 Kanne Kaffee. Soweit so gut.

Hauptspiel gespielt, man schaut sich an, macht noch ne kurze Spielnachbesprechung, lachen, haben Spaß, aber die Gäste machen keine Anstalten zu gehen. Silke fragte, hören wir auf, oder spielen wir noch was kleines?

Ach da stand ja noch Vienna hinter meiner Stuhllehne.

Nun wo wir die Spielmechanik von Euphoria drin haben, brauch ich die von Vienna kaum erklären, die Symbole auf dem Brett sind so selbsterklärend, das Spiel ist für Kids ab 8 Jahre geht nur 4 schnelle Runden, taugt als Absacker, danach würfle ich meine Gäste raus, ich hatte zur hiesigen weiteren Gestaltung des Abends noch etwas mit Silke in einem 2er Spiel vor.

Irgendwann war der Kaffee leer, jemand meinte ich solle noch einen machen, Tommes übernahm. Ich war mal bei Tommes, er kochte uns Kaffee. Sowas habe ich noch nie gesehen. Der hat ne Bauanleitung für Kaffee an der Wand hängen und wiegt mit einer Küchenwaage jede einzelne Zutat minutiös bis auf subatomare Ebene alles ab.

Ich fragte noch ungläubig... "Was machst Du da?"

"Der Kaffee muss perfekt sein!"

Ok - jeder Jeck ist anders, und dieser hier ist noch jecker.

Nun machte Tommes Kaffee bei mir, ohne Waage, ohne Anleitung und vor allem ohne Kaffeemaschine, ich hab nur zwei Bodum Kannen, die Dinger wo man einen Metalfilter runterdrückt.
Tommes schaut mich hilflos an..."Ähhh wie geht das? Du weisst schon noch wie ich sonst Kaffee koche?"

Ja wusste ich noch, diese Scene bei ihm ist in mein Kleinhirn lebenslänglich eintätowiert und ich war mit Tommes in der Nippesser Kafferösterei. Für Tommes ist Kaffee was für mich ein multipler Orgamus ist. Anscheinend.

Also zeig ich ihm wie ich es abwiege, Kaffeedose in die Hand, Kaffeepulver "us dr lameng" mit einem großen Schwups in die Kanne... und ich versuchte gleichzeitig den nörgelenden Stef die Regeln von Vienna zu erklären. Was Thommes mit dem Kaffee machte sah ich nicht.

Auf einmal redeten alle über die noch nicht von mir erklärten Spielregeln und zwar gleichzeitig und durcheinander, niemand hörte zu.

Zwischendrinn bat mich Silke, ich solle doch schon mal Wasser für den Kaffee kochen. Ich füllte den Wasserkocher, stellte ihn an, es blubberte laut, "nee Wasser hab ich bereits", sagte Tommes,  das Wasser war schon in der Kanne. Wasserkocher wieder aus, weiter versucht die Regeln in den Millisekunden Sprechpausen der anderen versucht zu erklären... bis ich nur noch Stef hören konnte.

"ES WÄRE SCHÖN WENN NUR EINER DIE REGELN ERKLÄRT; UND ZWAR DER DER DAS SPIEL KENNT!"

Er war gut zu hören, aber das Geplapper stoppte nicht.

Steff griff zu seiner zweiten emotionalen Regung, ich wusste bis dahin gar nicht das er eine zweite besitzt!

Der Anfang ging irgendwie unter aber das Ende war wieder gut zu hören. "... SONST RUFE ICH MIR EIN TAXI UND FAHRE ALLEINE HEIM!"

Das war das Signal für Tommes, er schenkte Stef Kaffee ein, Stef nahm einen Schluck und ich dachte sein grimmiges verzogenes Gesicht gehörte zur Taxidrohung. Perfekte schauspielerische Leistung... ganz neue Facetten in Stefs Mimik! Ich bin begeistert!

Stef versenkte nahezu soviel Zucker und Milchpulver in seiner Tasse, wie man in der Flüssigkeit auflösen konnte, sagte aber nichts mehr, die Paste muss ihm den Mund verklebt haben!

Wir spielten Vienna die 4 Runden durch, Stef versuchte destruktiv zu spielen hielt aber bis zum ende mürrisch durch.

"So... nun nun stehen die auf, bedanken sich für den Abend und den tollen Kaffee." ...ja der Kaffee ist in der Gesamtbetrachtung wichtig, "...und ich kann mich Silkes Lieblings 2er Spiel widmen."

DENKSTE!

Hier wieder die unterschiedliche Wahrnehmung.... Stef schrieb, er wollte vor Vienna schon gehen blieb aber sitzen und antwortete "Wir können noch was spielen, ich hab noch bis 3 Uhr Nachts Zeit und niemand regte sich oder machte Anstalten zu gehen.

Also 10 Minuten meine Regale durchsucht, diesmal darf es keine Kaliber wie Vienna sein, das war ja nur ein Absacker. Ich hab YEDO aufgetischt, die Regeln müsste ich noch drauf haben. Ich musste dann doch ein paar Dinge nachblättern wo ich unsicher war, aber gespielt, und gewonnen und aus die Maus. Alles doch noch gut, die Gäste gingen.

Da stand noch die volle Kanne Kaffee, ach trink ich die noch Ex aus.

Ich nahm nen Schluck Kaffee und es war als hätte ich auf der Straße eine Pfütze mit Hundescheisse ausgeleckt. Bah war das widerlich!

Thommes hatte auf das Kaffeepulver das lauwarme Leitungswasser aus dem Hahn gekippt, OHNE DAS ES KOCHTE!

Müsst ihr unbedingt mal probieren!
Ich mache es niemals wieder und stecke eher meinen Arm in einen Laubhäcksler!

Und Stef hat das eisern ausgetrunken!

Silke und ich gingen ins Bett und schliefen tatenlos sofort ein!

Am anderen Tag fragte selbige aufgeregt, ob ich das Posting vom Stef gesehen habe, der würde sich entschuldigen. Ich fragte nur "Häh, bei wem und wofür?"

Silke vermutete noch, das Stef sauer sei, weil wir beim Spiel Vienna versucht haben bairisch zureden, dabei äfften wir den östereichisch-wienerischen Dialekt nach, welcher sich von bairisch so sehr unterscheidet, wie Thomas Glatze und die Frisur von Tina Turner, oder der Taille von mir und Stef zu einer Magersüchtigen, oder der ekelhaften Plörre die Tommes da anrührte und etwas das man entfernt Kaffee nennen könnte.

An dem Abend war überhaupt nichts wofür sich jemand entschuldigen müsste, außer für den Kaffee!

Ich hab für mich mitgenommen, das Vienna als Aufwärmer für das spieltechnisch identische aber komplexere Euphoria evtl. funktioniert hätte, aber man eine "LightLight" Version nicht NACH einem Brocken spielen sollte.

Zwei Tage später, hocken Stef und ich stundenlang auf 120 cm zusammen vor der Kamera im Wiki, machten gemeinsam ein Video über.... VIENNA ...  ich hab Kaffee gekocht und wir lachen uns schlapp....

So, nun der Abend aus Stefans Sichtweise:

Gruß
Michael Tabel


Von Stefan Burkhardt

"Kennt ihr das... Ihr sitzt mit Freunden vor einem Spiel und wisst sofort "oh nein das kenne ich, dass ist übler Mist" und sucht verzweifelt nach einer Ausrede nicht mitspielen zu "dürfen".

So erging es mir die Tage mit Vienna. Ich war gerade mitten im Aufbau und der Sortierung von Euphoria und dann kam der Gastgeber auf die Idee noch was Kleines und Schnelles zu spielen ... 
Den ersten Anlauf konnte ich noch mit der Ausrede abblocken: "Ich muss Aufbauen und habe keine Zeit". So jetzt lag es aber direkt in der Nähe und lachte mich schon so hämisch an. 

Das erste Spiel des Abends war nun Geschichte. Ich war glücklich, der Triumph war meiner und der neue Besitzer des Spieles freute sich direkt über seine Neuerwerbung.
Damit hätte der Abend einen schönen Abschluss finden können.
Meine Müdigkeit und Gesundheit hätten sich gefreut. Leider wurde nicht vehement genug Nein gesagt auf die Frage ob  noch was geht. 
So jetzt lag aber dieses Spiel vom Anfang noch in der Nähe, ja es kam was kommen musste... Es kam auf den Tisch. 4 der 5 Spieler diskutierten heftig über die Regeln. Ich wollte eigentlich meinen Sieg feiern und heimfahren.
Naja also dann mitspielen und es mit Würde ertragen, aber leider war das übermüdet und verschnupft nicht so einfach. 
Ich fand es ja bei meiner ersten Partie schon übel und es wurde bei der zweiten Partie auch nicht besser. Im Gegenteil es wurde immer Schlimmer. 

Das Spiel war für mich totaler Mist und meine eigene Laune ging rapide zwei Stockwerke unter den Keller und war leider nicht mehr Sozialverträglich.
Dadurch resultierte dann natürlich auch ein negativer Effekt für meine Mitspieler, auch Ihnen gefiel das Spiel so gar nicht. Keine Ahnung ob das Spiel wirklich nichts kann ist oder eben es nur meine eigene Übellaunigkeit war.

Als Wiedergutmachung zauberte unser Gastgeber, welcher mit Ruhe und Würde meine Nervensägerei ertrug, Yedo aus dem Hut...
... Was soll ich sagen... Manchmal fährt man besser nach Hause.

Es ist nicht immer unbedingt das Spiel schlecht nur weil es einem nicht gefällt. Manchmal liegt es an der Spielrunde und manchmal auch ganz einfach an einem Selbst oder am eigenen Fitnesslevel.
Im Nachhinein betrachtet tun mir meiner Mitspieler aus dieser obigen Spielrunde echt leid ... Schließlich durften Sie meine Launen ertragen, für die ich verantwortlich war."








Youtube

Instagram

Twitter

Popular Posts